Vom Papier zur Datenwolke, ein Ingenieurleben zwischen Wandel und Widerstand

Als Gerold Dove seine Karriere in der Automobilindustrie begann, entstanden Fertigungslinien noch auf Papier. Heute laufen dieselben Prozesse digital, mit vollem Zugriff auf Konstruktionsdaten und einem hohen Anteil digitaler Berechnungen. Weniger Versuchsträger, geringere Kosten, mehr Tempo. Und doch sagt Dove im Gespräch, dass sich eine Sache in 40 Jahren nicht verändert hat, die Notwendigkeit unterschiedlicher Charaktere, die im Team zusammenpassen und gemeinsam zu guten Lösungen finden. Ein Gespräch über Wandel, Kommunikation, verpasste Chancen und die Frage, wohin die Reise wirklich gehen sollte.

Digitalisierung verändert die Arbeit

Vom Zeichenbrett zur digitalen Konstruktion, dieser Wandel prägt Doves Blick auf die Branche am stärksten. Was früher mühsam auf Papier geplant wurde, läuft heute mit vollem Datenzugriff und digitaler Simulation.

Der Effekt reicht weit über die reine Technik hinaus. Weniger physische Versuchsträger bedeuten geringere Kosten und schnellere Entwicklungszyklen. Was jedoch bleibt, ist die menschliche Komponente. Unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Ideen, das führt laut Dove nach wie vor zu den besten Lösungen, digital hin oder her.

Software entscheidet über Erfolg

Auf die Frage, welche Entwicklung die Branche künftig am stärksten prägen wird, zeigt Dove auf einen Bereich, der oft im Hintergrund bleibt. Softwaresysteme und ihre Zuverlässigkeit, auch gegenüber Angriffen von innen und außen, werden aus seiner Sicht den Ausschlag geben.

Diese Einschätzung passt zu seiner umfassenden Expertise in Elektromobilität, additiver Fertigung und Innovationsmanagement. Nicht die Hardware allein entscheidet über die Zukunft der Mobilität, sondern die Systeme, die im Hintergrund alles zusammenhalten und absichern.

Kommunikation entscheidet über Projekterfolg

Nach über 40 Jahren im Vertrieb komplexer Entwicklungsprojekte kennt Dove die typischen Fallstricke genau. Gescheitert sind aus seiner Erfahrung immer die Projekte, bei denen die Kommunikation mit dem Kunden schlecht war.

Ein Lastenheft wird geschrieben, jemand bietet darauf an, und am Ende liest jeder etwas anderes heraus. Genau hier entstehen die Differenzen, die Projekte scheitern lassen. Je besser Kunde und Auftragnehmer zusammenarbeiten und gemeinsam an den Erfolg glauben, desto größer die Chance auf ein erfolgreiches Projekt, so Dove.

Elektromobilität hat keine Alternative

Schon Anfang der neunziger Jahre, bei Karmann, kam Dove erstmals mit dem Hotzenblitz aus der ehemaligen DDR in Kontakt, einem frühen Elektrofahrzeug. Diesen Weg hätten die deutschen Automobilhersteller damals konsequent verfolgen sollen, sagt er rückblickend.

Dass Deutschland heute technologisch hinterherhinkt, führt Dove auf Lobbyismus zurück, der viele Innovationen in der Automobilindustrie verhindert und dem Ausland dankbar überlassen wurde. Für ihn steht fest, zur Elektromobilität gibt es keine Alternative.

Rat an junge Ingenieure

Wer heute in die Branche einsteigt, sollte sich nach Doves Überzeugung nicht allein auf die klassische Automobilindustrie verlassen. Stattdessen empfiehlt er jungen Ingenieuren, sich auf Energiesysteme, Batteriespeicher und Batteriemanagementsysteme zu konzentrieren.

Diese Einschätzung ist kein Zufall. Sie spiegelt Doves eigene Erfahrung wider, wie schnell sich technologische Schwerpunkte verschieben können, und wo die eigentlichen Wachstumsfelder der kommenden Jahre liegen.

Mut wird nicht immer belohnt

Nicht jede Idee setzt sich durch, auch wenn sie richtig ist. Ein Abstecher in den Maschinenbau führte Dove das deutlich vor Augen. Sein Ansatz, Produkte vorab präzise zu berechnen, anstatt sie vom Kunden testen zu lassen, scheiterte am Widerstand im Unternehmen.

Die Konsequenz war eindeutig, Dove verließ den Bereich schnell wieder. Ein Beispiel dafür, wie Unternehmen trotz besserer Ideen mitunter an alten Wegen festhalten, ein Muster, das er in seiner Laufbahn mehrfach erlebt hat.

Vision für die Mobilität

Am Ende des Gesprächs wird Dove grundsätzlich. Er wünscht sich, dass die Debatte über die Zukunft der Mobilität über die klassische Automobilindustrie hinausdenkt. Konzepte wie Sunglider, Magnetschwebebahnen oder autonom fahrende Elektrofahrzeuge für den ländlichen Raum, betankt mit kostenfreiem Strom an Supermärkten, hält er für vielversprechende Ansätze.

Seine Vision geht noch weiter. Würde jedes große Unternehmen verpflichtet, sein Hallendach mit Photovoltaik auszustatten, und der örtliche Stromversorger passende Speicherkapazitäten bereitstellen, wäre echte Energieautarkie möglich. Das größte Hindernis dabei sieht Dove erneut im Lobbyismus, diesmal auf Seiten der Energiekonzerne.